Konsumwahn?

Date December 27, 2006

Habe ich schon erwähnt, dass ich Leute, die um jeden Willen bei jedem Einkauf oder einer Investition versuchen den Preis zu drücken für geizig und für unsozial halte?

Nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem mit einer intelligenten Preisverhandlung, solange es nicht auf den ersten Blick erkennbar diese Schäbigkeit hat, die ich empfinde, wenn ein solcher Versuch von Anfang an so schrecklich nach Bauernschläue riecht, das einem übel wird. Das sind dann meist genau jene, die sich so gerne über alle jene Manager echauffieren, weil die mehr verdienen als sich in einem normalen Leben ausgeben lässt (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Jedes “Schnäppchen” wird genutzt - nur Trottel zahlen den vollen Preis - jeder Gutschein wird eingelöst und jede - und sei es auch noch so peinlich - Diskussion über den Preis wird sofort an Ort und Stelle ohne Ausnahme geführt. “Die Gier ist eine Sau”, sagt man hierzulande so treffend, denn billig kaufen ist das Ziel des allzu geizigen Pöbels.

Geiz? Das Wort ist in Deutschland durch nachhaltige Gehirnwäschen ganz allgemein nicht mehr das, was es eigentlich bedeutet: die asozialste Form, mit Kapital, Werten und Menschen umzugehen. Hinter dem Sparen steckt die Erkenntnis, das aus nichts nichts werden kann. Der Geiz aber kennt keine Zukunft. Zu allen Zeiten haben Geizige nicht etwa Kapital gehäuft und gespart, um es zu Investitionen werden zu lassen. Sie rafften, um zu raffen, sie gierten allein nach Beständigkeit, nach Bewahrung. Geizige sind Fundamentalisten, und mit ihnen ist kein Staat zu machen. Geizige sind unpolitisch und unsozial.

(Quelle: Brand eins 7/06)

Dabei vergessen diese Leute nur all zu leicht, dass die gesammelten Gutscheinkarten, Vorteilsclub- und Punktesammelkarten und wie sie alle heißen doch auch nur dümmliche Werbemasche sind. Auch diese Werbung wird irgendwie finanziert werden müssen und dient wohl eher dem Data Mining als den Kundeninteressen (was jetzt in die Sparte Privatsphäre geht, aber gut).

Wir sind so sehr diesem Wahn des Billigstkaufs (”es gibt immer ein billigeres Angebot!”) verfallen, dass wir ganz vergessen, dass Qualität auch ihren Preis hat und haben muss. Meine Dienstleistung gebe ich nicht um einen Spottpreis her, nur weil der Sohn des Kunden behauptet er kann auch was ich kann. Ja, wir erschrecken schon, wenn wir sehen, was gute Dienstleistung oder hochwertige Ware kostet. Wer spart (oder besser falsch spart) ruiniert auf lange Sicht die Qualität.

Der Österreicher gibt im europäischen Vergleich relativ wenig für qualitativ hochwertige Nahrung aus. Warum eigentlich? Und dabei konsumieren wir im gleichen Zeitraum weniger als z.B. die Amerikaner. Nur Weihnachten ist das anders, da kaufen alle wie wild, der Preis ist auch nicht mehr so wichtig, Hauptsache alle Geschenke sind im Sack - Weihnachtsabend gerettet. Das nennen wir dann so treffend Konsumwahn. Ein schönes Wort. Fast so schön wie Schnäppchen.

Manches mal hilft es ein wenig, wenn beim Einkauf kurz im Geiste die Position des Verkäufers eingenommen wird. Was wäre, würde ich hier verkaufen? Was erwarte ich von meinen Kunden, was der Kunde von mir? Die Diskussion über eine Preisminderung vor dem Abschluss kann z.B. die Geschäftsbeziehung von Anfang an empfindlich stören. Na klar, kommt es dabei auf die Situation und das Geschäft an. Beim Billigdiskonter ist verhandeln wohl sinnlos, beim Autohändler wird es in der Regel erwartet, dass der Kunde nicht gleich akzeptiert. Und gute Verkäufer machen von sich aus ein gutes Angebot, dass einen eventuellen Preisnachlass inkludiert.

Hat schon der ÖIAG erkennen müssen, das Sparen und wirtschaftliches Denken nicht immer zusammenpassen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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