Video-Überwachung in Linzer Schwimmbad

Date May 7, 2006

Ab und an glaube ich wirklich, ich muss mich verlesen haben. Heute z.B. habe ich beim Lesen eines Beitrags auf dem Weblog der detektiv regelrecht an einen Scherz geglaubt. Es war aber keiner (wie zumeist bei solchen Dingen)!

Da wird doch tatsächlich Videoüberwachung in den Umkleidegarderoben eines Linzer Schwimmbads eingesetzt, um einen Einbrecher ausfindig zu machen. Anscheinend kann sich heute keiner mehr sicher sein, nicht überwacht zu werden. In Linz gibt es vier Hallenbäder, die in Frage kommen, nach meiner Recherche war es wohl in der Sauna im Parkbad. Was aber dem Bericht etwas widerspricht und noch nicht bestätigt werden konnte (mein Anruf bei der Polizei brachte nichts, die ließen mich in der Warteschleife hängen).

Vor Videoüberwachung dieser Art kann man sich nur schützen, in dem man sehr aufmerksam ist und seine Umgebung genau beobachtet. Marc Roessler hat das Papier “How to find hidden cameras” geschrieben, dass hierbei hilfreich sein kann (aber nicht paranoid machen sollte).

An diesem Beispiel ist leicht zu erkennen, welch’ wichtiges Gut Datenschutz und Privatsphäre in Zukunft werden werden. Je leichter und kostengünstiger Überwachung in solchen intimen Bereichen durchgeführt werden können, desto öfter werden sie auch vorgenommen. Die Polizei greift immer häufiger und intensiver auf Methoden, die früher Geheimdiensten vorbehalten waren, zurück. Big brother ist nicht nur ein Begriff aus Orwells Roman 1984, es wird auch langsam Realität. Und es wird Zeit dass unsere Gesellschaft damit umzugehen lernt und erkennt, dass nicht jeder Einsatz von Technologie bei der Überwachung sinnvoll ist. Vor allem bemerke ich immer mehr die Tendenz, dass der Normalbürger dazu neigt, Überwachung zu seinem Schutze als völlig normal zu betrachten, auch wenn seine Privatsphäre dadurch verletzt wird, und jene, die sich gegen eine permanente und vollständige Überwachung stellen, kriminalisiert werden. Wie auch immer: Big brother is watching you.

Wenigstens ist dies ein sehr leerreiches Beispiel dafür, dass Videoüberwachung keine Verbrechen verhindert.

Update: Ich habe oben beschriebenes Geschehen für den Big Brother Award 2006 vorgeschlagen.

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