Videoüberwachung ist ineffizient!

Date February 27, 2005

Wer sich öfters am Linzer Hauptbahnhof aufhält wird feststellen, dass die neue Linzer Drehscheibe nicht nur völlig anders aussieht als zuvor, sondern auch regelrecht mit ihren elektronischen Augen sieht. Es gibt nur leider kein Gehirn zur Auswertung des Gesehenen.

Videoüberwachung sieht alles?

Mehr als zehn Videokameras überwachen das Geschehen rund um die Uhr. Vor kurzem gab es rege Diskussion um die Videoüberwachung weil es mehrere Vorfälle gab, die Aufklärung bedurften. Zum einen war da eine brutale Festnahme durch die Linzer Polizei und dann die regelmäßig auftretenden harmlosen Belästigungen der sich am Bahnhof aufhaltenden Obdachlosen.

In einer der letzten Ausgaben der OÖ Rundschau war zu lesen, dass die Videoüberwachung nur die letzten 24 Stunden aufzeichnet und in den beschriebenen Fällen die Verantwortlichen zu spät handelten, sodass die Aufzeichnungen schon wieder gelöscht waren.

Wenig Planung - viel Populismus

Digitale Videoüberwachung ist heutzutage anscheinend ein probates Mittel zum Zweck. Leider wird weder sorgfältig geplant, noch wird darüber nachgedacht welche Auswirkungen eine solche Überwachung zur Folge hat. Eine neue Studie des Instituts für Kriminologie der University of Leicester belegt, dass Videoüberwachung weder zu einem Rückgang der Kriminalität führt, noch bei den Menschen ein höheres Gefühl der Sicherheit schafft. Zu wenig werden die gesellschaftlichen Prozesse vernachläßigt und technische Lösungen durch Videoüberwachung begünstigt. Bei Impuls-getriebenen Handlungen lassen sich keine Veränderungen feststellen und meistens verschiebten sich die Orte der kriminellen Handlungen in Bereich, die von den Kameras nicht erfaßt werden.

Nur sinnvoll für Audits

Videoüberwachung ist meist nur sinnvoll als Audit-Werkzeug. Das heißt im wesentlichen dient es dazu den Tatvorgang nachzuvollziehen und Täter zu erkennen. Es wird und kann nicht zur Verbrechensprävention eingesetzt werden. Wenn schon Abschreckung (Deterrence), dann durch Polizeistreifen und nicht durch Kameras.

Big Brother ein Zunkunftsszenario?

Die Rundschau berichtet (warum eigentlich nicht online?), dass sich Passanten und Zeugen darüber beschwerten, dass die Kameraaufnahmen nicht durch Menschen überwacht werden. Nur wenige fühlen sich anscheinend durch ein Big Brother-Szenario bedroht. Solche Gedanken dürften sogar dem aufgeschlossenen Bürger fremd sein. Schnell lautet das Resüme: wenn kontinuierlich überwacht wird, kann nichts mehr passieren und alle sind sicher. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Erstens unterliegen die aufgenommenen Daten, sofern die Person erkennbar ist, dem Datenschutz und zweitens werden großteils nur unschuldige Passanten aufgenommen. Vielleicht war es in diesem Fall sogar so, dass die Überwachung zu weniger Zivilcourage führte und Menschen davon abhielt selbst einzuschreiten oder sich die Situation einzuprägen. Es herrscht die Meinung vor, alles wird zentral überwacht, für professionelle Hilfe ist gesorgt. Auch wenn dies der Fall gewesen wäre, so arbeitet als Beobachter noch immer ein Mensch mit eigener Weltanschauung und Vorurteilen, was Unterdrückung von Randgruppen begünstigt. Oder aber der Beobachter erkennt die Lage nicht. Selten werden dafür gut ausgebildete Fachkräft eingesetzt.

Fazit

Letztendlich ist die Überwachung über digitale Videos aber kein adäquates Mittel zur Verbrechensvermeidung, es dient lediglich dem Audit. Aber auch wenn Videoüberwachung die Risiken einschränken mag, verringert es doch unsere Freiheit und das ist der größte Kompromiss den wir eingehen. Und das sollte uns allen bewußt sein.

Links

chaos computer club cologne | Chaos Circuit Television

derStandard.at - Linz: Liegender am Hauptbahnhof von Polizei getreten

Drehscheibe Linz

quintessenz

STOP1984 - Willkommen bei STOP1984

TP: Video-Ueberwachung in Oesterreich nach britischem Vorbild

TP: Videoueberwachung reduziert Kriminalitaet nicht

Videoueberwachung - Wikipedia

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Wem gehoert der oeffentliche Raum?

Ueberwachungskamera - Wikipedia

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