Wem gehört das Wissen?
June 23, 2004
Wem also gehört das Wissen der Menschheit?
Die Urheber
Seit Menschengedenken bringen Künstler, Wissenschaftler, Erfinder und andere Kreative Neues, Originelles und Wertvolles in die Welt. Oft bedienen sich diese Menschen der Schöpfung anderer und verwenden diese als Ausgang für neue schöpferische Arbeit. Disney bedient sich der Märchen der Gebrüder Grimm und machte daraus weltberühmte Zeichentrickfilme wie Snow White and the Seven Dwarfs. *Steamboat Willie*, der erste Film mit Mickey Mouse ist eine Parodie auf Buster Keatons Film Steamboat Bill Jr. Heute sind es Musikkünstler, die es schaffen zwei verschiedene Werke in eines zu transformieren und sich dabei in der künstlerischen Abteilung ihrer Kollegen bedienen.
Das Urheberrecht
Das Problem für solche kreativen Zeugnisse ist das bestehende Urheberrecht. Keinesfalls sollte dieses Recht abgeschafft werden, denn es dient nicht ohne Grund dem Schutze des Künstlers oder Werkschöpfers. Doch warum wird das Werk bis zu 70 Jahre nach dem Tod (gezählt wird ab dem 1. Jänner des dem Todesdatum folgendem Jahr) des Schöpfers urheberrechtlich geschützt. Der Urheber hat nichts mehr von seinen Werken, nur noch die Nachkommen, und das für zwei Generationen. Ich finde diese lange Zeitdauer nicht sinnvoll. 20 Jahre würden reichen, das Werk in der Regel gut zu schützen.
DRM - Digital Rights Management
Zudem gibt es in der Musikbranche (und natürlich auch im Softwarebusiness) starke Tendenzen in Richtung DRM. Während heute schon kritische Meinungsäußerung auf Basis von urheberrechtlich geschütztem Material, z.B. als Film, ein - für den Künstler - rechtliches Problem darstellt, so kann in Zukunft DRM eine solche Persiflage im Vorfeld verhindern! Der Künstler wird digital keine Möglichkeit mehr haben mit diesen Daten zu arbeiten.
Wem gehört das Wissen?
Das Internet bietet uns eine Fülle von Informationen und Kommunikationskanälen, wie es sie in der Geschichte bisher nicht gab. Die Einschränkungen steigen damit aber auch. Auch die gesetzlichen Bestimmungen sind in einer Form, wie es sie bisher nicht gab. Daraus formt sich mehr und mehr Widerstand in Communities.
Wissen und Kultur stehen heute (fast) allen Menschen frei zur Verfügung. Das Internet erleichterte die Verbreitung, doch der Eindruck täuscht. Immer mehr Eigentumsansprüche werden geltend gemacht und eine starke Kommerzialisierung ist schon jetzt wesentlicher Bestandteil der Netzkultur. Somit steht Wissen auch nicht mehr allen frei zur Verfügung!
Lawrence Lessig (Stanford Univ.) geht es um die Erhaltung des freien Zugangs des Gemeinguts, den Commons (Ressourcen die wir gemeinsam nützen, Himmel, Wasser, Natur, Kultur, Wissen, Open Source Software, …). Die Marktwirtschaft privatisiert das alles mehr und mehr, es braucht seiner Meinung nach also eine Gegenströmung, die Creative Commons. Wie er zu dieser Meinung gelangt ist und was sie ihm bedeutet findet sich in seinem Buch Free Culture. Update (24.9.2006): Mittlerweile ist das Buch im Internet auch in Deutsch online lesbar: Freie Kultur von Lawrence Lessig.
Creative Commons
Bisher brauchte man eine Erlaubnis bevor man Kulturgüter verändern und kreativ nutzen durfte! Creative Commons will das ändern. Urheber sollen auf einfache und klar geregelte Weise Zugriff auf ihre Werke geben.
Auch Lessig meint, dass das Urheberrecht immer weiter ausgedehnt wurde. Warum?
Public Knowledge – David Bollier
Bollier ist Globalisierungsgegner, Member der Open Source Community und Kämpfer für freies Wissen: Internet ist das mächtigste Werkzeug!
. Reden bringt uns zum Denken, wir fangen an zu erkennen, dass wir etwas tun müssen!
Internet Archive
Das gesamte menschliche Wissen frei zur Verfügung stellen will Brewster Kahle. Er bietet Storage & Bandwidth
forever! Brewster meint, Bibliotheken hätten ja den gleichen Anspruch, alles Wissen (in Buchform) den Menschen frei zur Verfügung zu stellen. Doch was ist mit unserem 21. Jahrhundert? Die großartigsten Werke der Menschheit finden wir dort (nämlich im Cyberspace) im Moment noch nicht. Wir müssen das also, meint Brewster, frei zur Verfügung stellen! Hier kommt sein Internet Archive ins Spiel.
Leider geht der allgemeine Trend in die andere Richtung! DRM ist ein Desaster!
, meint er und verweist stolz auf sein Filmarchiv, als Beispiel, wie es anders gehen könnte.
Weitere Projekte
Creative Archive der BBC
Die BBC will allen die Interesse daran haben ihre Dokumentationen, Fotos und Filme im Internet im Creative Archive frei zur Verfügung stellen.
Wikipedia, die große freie Enzyklopädie des Internets, bedient sich des Konzepts des freien Inhalts, dem sogenannten Copyleft
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